Neujahrsempfang

Der Osten lässt sich nicht länger erklären – er erklärt sich selbst

Mehr als 36 Jahre Jahre nach dem Mauerfall ist die ostdeutsche Geschichte in der gesamtdeutschen Wahrnehmung oft eine Leerstelle oder verschwindet unter westlichen Deutungsmustern. Doch die Veranstaltung „Der Osten redet Tacheles“ im Berliner Pfefferberg-Theater setzte ein klares Zeichen: Die Rückeroberung der eigenen Geschichte ist kein Akt der Nostalgie, sondern eine politische Notwendigkeit. Von der Kritik an einer „missionarischen“ West-Mentalität bis hin zur Analyse des politischen Vakuums, das heute die AfD füllt – Éva Péli berichtet über eine Debatte, die die Suche nach der eigenen Erzählung in den Fokus rückte.

„Gemeinschaft ist etwas, das der Osten dem Westen voraushat – sowohl in der gelebten Praxis als auch im Wissen darum.“

Mit diesen Worten setzte der Songpoet Tino Eisbrenner einen zentralen Akzent. Für Eisbrenner ist diese Gemeinschaft jedoch kein Selbstzweck, sondern die Basis für einen größeren Prozess: die Rückeroberung der Deutungshoheit über die eigene Geschichte. Dabei gab er sich realistisch: Vielleicht sei man noch gar nicht an dem Punkt, dem Westen zu erklären, wie alles ohne ihn verlaufen wäre. „Vielleicht“, so Eisbrenner, „sind wir erst an dem Punkt, an dem der Osten anfängt, sich seine Geschichte erst einmal selbst zu erzählen.“

Der Osten redet Tacheles

17:30 Uhr: Der Pianist Stephan Noel Lang am Klavier.

18 Uhr Podiumsdiskussion

Kann der Osten die Deutungshoheit über seine Geschichte zurückerobern?“ 

mit Tino Eisbrenner, Alexander Grau, Hans Christian Lange, Tobias Morgenstern, Anja Panse

Moderation: Tilo Gräser 

19:30 Uhr: Tino Eisbrenner und Tobias Morgenstern präsentieren Stücke aus ihrem gemeinsamen Programm.

20 Uhr: Theaterstück: „IM OSTEN – Geschichten aus der Sonderzone

Ist die deutsche Teilung nach so vielen Jahren endlich überwunden oder gibt es da noch ein paar Dinge, die aufgearbeitet werden sollten?

Vier Menschen aus Ost und West treffen sich zu einem launigen Grillfest an einem warmen Sommerabend auf dem Campingplatz. Die Rostbratwurst (natürlich aus Thüringen!) schmeckt herrlich mit Bautz´ner Senf und Bier. Es wird getrunken und gesungen. Doch die ausgelassene Stimmung kippt, als plötzlich jemand ruft: „Ihr habt uns doch 1990 kolonisiert!“ Die Situation gerät außer Kontrolle und ein Gewirr aus Meinungen, Befindlichkeiten und Verletzungen löst einen emotionalen Hurrikan aus.

Das Stück basiert auf eigens recherchierten Schicksalen aus Ostdeutschland. Mosaikartig blitzen diese persönlichen Geschichten auf und spannen einen dramatischen Bogen von `89 bis ins Heute hinein. Eine polemisch-heitere Aufarbeitung der Nachwendezeit, die alte Gewissheiten ins Wanken bringt. Mit einem live gespielten Medley ostdeutscher Klassiker.

Wird der Osten die Deutungshoheit über seine Geschichte zurückerobern?

Text Anja Panse und Ensemble Regie und Bühne Anja Panse Spiel Anna Keil, Anja Panse, Ilja Schierbaum und Reiner Gabriel Kostüm Dinah Ehm Grafik Marie Ronniger Produktion Triple A Theater

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