Alexander Grau

Hypermoral - Wie Moral zu einer politischen Idee wurde

Dr. Alexander Grau begann seinen Vortrag mit einem geschichtlichen Abriss, in dem er aufzeigte, dass Moral schon immer ein Herrschaftsinstrument zur Durchsetzung von Interessen war. Während über viele Jahrtausende der Sinn des Lebens im Überleben bezüglich des eigenen Lebens als auch des Überlebens der Spezie Mensch bestand, erlebte die Zivilisation im 20. jahrhundert geradezu eine Revolutionsschwemme. Die zunehmende Abkehr von der Religion, die Emzipation der Frau und deren sexuelle Selbstbestimmung auch hinsichtlich ihres Reproduktionswillens, die Automatisierung und Digitalisierung uvm.  veränderten die westliche Gesellschaft. Gesellschaftliche Rollenbilder, Hierarchien und konservative Wertvorstellungen galten als überholt. Die neuen Eliten geben sich antielitär und elitenkritisch. Sie definieren sich nicht mehr über ihre Abstammung und Besitz, sondern surfen auf den Wellen des Zeitgeistes: international, weltoffen, begrüßen den gesellschaftlichen und technischen Wandel und bejubeln die Buntheit der Welt. Während die alten Eliten noch als Bewahrer der traditionellen Ordnung auftraten, machen sich die neuen Eliten zu Verkündern hypermoralischer Gesellschaftsutopien. Da sie an den machtpolitischen Schaltstellen sitzen, verkünden sie den Menschen die von ihnen definierten neuen Vorstellungen einer diversen Welt. Eine Welt in der letztendlich alle nur konfektionelle Individualisten sind, in der eine abweichende Meinung nicht nur nicht hingenommen wird, sondern der Abweichler mit sozialer, finanzieller- gesellschaftlicher Ächtung vernichtet werden soll.

Auch in der anschließenden Diskussionsrunde zeigten sich in der gegenwärtigen Situation kaum positive Perspektiven zur Abkehr von einer auf uns zukommenden autoritären Gesellschaft.

Es bleibt also an uns, unserem Wertekompass trotz aller medialer Einflüsse zu folgen und ein menschliches Miteinander welches auf Vertrauen, Freiheit und Wahrheit basiert, trotz aller Unterschiede auch in Zukunft anzustreben. 

Steffi Schulz

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